Von A bis Z – Eine neue Rollenspielrunde starten am Beispiel von Paranoia

Wir hatten ja unlängst eine Metaepisode zum Thema „Rollenspielpodcast starten“ aufgenommen, und falls sich daraufhin Leute für die Idee an und für sich interessiert haben, aber es gerne noch viel detaillierter und kleinteiliger erzählt bekommen möchten (ich selbst z.B. bin großartig im Nachmachen), haben wir hier einmal zusammengetragen wie genau diese Runde eigentlich von der spontanen Idee bis zur fertigen Episode in euren Podcatchern gekommen ist.

DISCLAIMER: Das ist wirklich nur ein „Slice of Life“ wie es in diesem Falle gelaufen ist, und erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit, noch dass man es genau so machen muss!

That being said.. so lief es ab:

Einer hatte die Idee.. man, Paranoia wäre witzig.. und es ist auch i.d.R. nicht auf langlaufende Runden abgelegt.. also fragte die Person bei uns im Discord ob jemand Bock darauf hätte da mitzumachen.

Spontan fanden sich drei die Lust hätten.. also: Gehen wir es an.

Erste Amtshandlung bei sowas ist stets.. gibt es da rechtliche Probleme? Sprich.. wer hat aktuell die Rechte an dem System?

Wikipedia sagt:

2004 wurde Paranoia von Mongoose Publishing neu aufgelegt, zunächst unter dem Titel Paranoia XP, und orientierte sich vor allem an den beliebten und erfolgreichen ersten beiden Editionen, während es einige Neuerungen hinzufügte. 1989 erschien eine deutsche Übersetzung der zweiten Edition.

Nachdem 2018 erfolgreich abgeschlossenen Crowdfounding (678 %) gibt es eine aktuelle Deutsche Ausgabe von Paranoia im Ulissesverlag

Prima.. dann mal schauen ob der Ulisses Verlag irgendwelche Richtlinien für Fan Made Content hat. Bisschen auf der Seite stöbern und wir stellen fest.. joah.. aber nicht für das System Paranoia.

Also haben wir uns den Discord Server von Ulisses rausgeguckt, aber da wurde schnell klar dass man keine definitiven Antworten erhalten wird, .. wieder auf die Webseite von Ulisses, und im Impressum steht eine E-Mailadresse – also haben wir dorthin folgende E-Mail geschickt.

Wir sind ein nichtkommerzielles Podcastprojekt, und veröffentlichen seit
2019 nachbearbeitete Aufzeichnungen von Spielrunden verschiedener
Systeme mit Hörspielelementen.

Eines unserer Mitglieder hat in seiner Jugend Paranoia gespielt, und
schlug unlängst vor dass er das gerne in Spielrunden als
Oneshots/Fewshots bei uns anbieten würde, daher wollten wir uns einmal
erkundigen ob dazu rechtlicherweise Vorbehalte bestehen, oder ob wir
dies mit freundlicher Genehmigung tun dürfen.

Im positiven Bescheid bitten wir auch um Angabe darüber welchen
entsprechenden Hinweis wir den veröffentlichen Episoden beifügen sollen.

Jetzt heisst es auf Antwort warten. In der Zwischenzeit haben wir uns schon mal Gedanken darüber gemacht welche Sounds man vielleicht für den Podcast brauchen könnte. Und um die Zeit zu überbrücken schadet es auch nicht, wenn sich die Spielleitung bereits bestehende Videos/Streams/Podcasts anguckt!

Zwei Wochen später noch keine Antwort, wir haken höflich nach.

wollten uns einmal erkundigen ob es da noch irgendwelche Rückfragen gibt
– oder die Frage an eine andere E-Mailadresse gerichtet werden müsste.

Kurz darauf erhalten wir auch tatsächlich eine Rückmeldung, man informiert uns wie folgt:

Grundsätzlich sollte es bei nichtkommerziellen Spielrunden keine Probleme geben, wobei aber Logos, Grafiken usw. nicht so einfach verwendet werden dürfen. Aber gespielt werden darf eigentlich immer. Und bei einem Podcast läuft man ja nicht mal Gefahr, Grafiken zu zeigen. Für unsere eigenen Systeme haben wir dafür unsere Fanrichtlinien. Bei Paranoia handelt es sich aber um ein Lizenzprodukt – d.h. wir können hier nur auf den eigentlichen Rechteinhaber Mongoose Publishing verweisen, falls ihr Grafiken zeigen wollt.

Wir sind einen Schritt weiter, aber um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, wenden wir uns also an Mongoose Publishing.. wieder gucken wir auf eventuell bestehende Fan-Made/Community Richtlinien.. werden nicht fündig. Kurzer Blick in deren Forum, auch da wird unsere Frage nicht beantwortet.

Im Impressum suchen wir uns eine der E-Mailadressen aus, entstauben einmal mehr das E-Mailprogramm und schreiben nach Großbritannien:

I hope this finds you well.

Some years ago we started a german podcast network to offer advice and
support for people in the pursuit of recording their RPG play sessions,
edit the recordings and add elements of sound design. We also offer to
publish the result on our website (https://suddendice.de) if they wish to.

Our project is entirely non-commercial, everything we make available is
published under a Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0 license. We don’t
generate any income via sponsoring or advertisement.

As I used to play the 1st edition of Paranoia back in the days, I
thought it might be an excellent setting to get potentially new people
into the idea of rpgs, especially in the format oneshots/fewshots to
encourage new players to dip their toes into GMing without the fear of
having to commit to a prolongued project.

I was looking into whether Mongoose Publishing features guidelines
concerning this fan based idea, e.g. along the lines of the WotC OGL
Licence, or PAIZOs Community Use, but was unable to find any.

We would kindly ask permission to add the Paranoia Roleplaying System to
our portfolio of featured actual play podcast episodes, and if this
seems at all possible to you, we would gladly display a corresponding
reference to this permission by Mongoose Publishing formulated as you
see fit, beside the segment on our site.

If there are any logos we can use to promote the system, we’d also be
happy to hear about those.

If you have any questions regarding our request, I’d be happy to answer
them.

Und einen Werktag später erhalten wir die Antwort:

You would be welcome to feature Paranoia Actual Play on your podcast.

Hope that helps!

Ja prima, wir speichern die E-Mail mit Anfrage und Zusage als PDF ab, falls später jemand an uns herantritt, und können jetzt endlich konkret planen.

Die Spielleitung bestellt das Regelwerk, die „Ultraviolett Edition“ auf deutsch – die Spieler und Spielerinnen werden informiert dass es losgeht, und ein vierter Spieler schließt sich der Runde an. Mehr als vier Spielende wird akustisch schwierig, da es häufig für Außenstehende nicht so einfach ist die Stimmen auseinander zu halten, die wir, die wir uns schon kennen, unterscheiden können.

Terminsuche wird angestossen und es dauert eine Weile bis man sich einigt.

In der Zwischenzeit überlegt man wie man wohl einen seelenlosen, wahnsinnigen Computer sprechen lassen könnte. Fragen wie: Sollte man „ARE YOU HAPPY CITIZEN?“ im deutschen korrekt gendern? Was ist eigentlich korrektes Gendern in einer Spielwelt, in der Klone im wesentlichen Geschlechtslos aus der Retorte kommen und erst ab Sicherheitsstufe GRÜN optional eine Pubertät durchleben können?

Meinungen werden eingeholt.. vieles davon wirkt sprachlich sperrig um es einem manischen, mörderischen Computer in den Mund zu legen.. Klärung wird auf später vertagt.

Aber wie „klingt“ FREUND COMPUTER im Podcast? Umgucken wie das mit Voice Morphing aussieht um die Stimme live elektronischer/künstlicher klingen zu lassen. Stellt sich heraus dass das entweder klingt als würde man aus der Blechdose sprechen, es lässt sich nicht live einsetzen (z.B. ein GlaDos Effekt), und/oder es ist rechtlich schwierig die entsprechenden Plugins/Angebote zu verwenden, wenn das Ergebnis veröffentlicht werden soll. Man steht dann halt rechtlich dar, so als würde man einen Film produzieren.. und die Anbieter der Softwarelösungen wollen dann recht schnell recht viel Geld sehen.
Klärung wird auf später vertagt (mit einer Tendenz zu .. ach, wozu die Mühe machen..)

Spielleitung legt sich Formulierungen für Freund Computer bereit, oder Texte wie die Fragen/Antworten für den Eignungstest im Spiel. Hier wird einiges zusammengetragen was man sich vorher bei anderen abgeguckt hat, oder einfach witzig fand. Mehr Wartezeit in der Vorbereitung lässt einem eben auch mehr Zeit sich Unsinn einfallen zu lassen.

Es wird ein Soundboard eingerichtet mit Geräuschen die man sehr wahrscheinlich brauchen wird – das ganze wird live über das Elgato StreamDeck eingespielt. Das ist hübsch, aber technisch nicht notwendig. Das Soundboard wäre auch über Software gegangen.

Termin kommt, wir haben leider nur ein kleines Zeitfenster von 1,5 Stunden. Sehr kurze Session 0 – das Gendern wird nochmal angesprochen, auch mit den Schwierigkeiten die sich in der Recherche ergeben haben. Resultat ist ein „Mach halt wie du meinst“.

Anderthalb Stunden später

Die Audiospuren sind da! Stimmung ist gut, baldiger Folgetermin wird geplant. Immer ein gutes Zeichen!

Die Audiospuren wandern in einen Projektordner, ebenso wie die Soundboard Dateien.

Erster Durchgang des Materials.. man schneidet alle unnötigen Pausen, Gestammel oder Versprecher raus. Es werden Szenenwechsel markiert und die ersten Sounds werden nachträglich eingespielt .. Krams den man nicht auf dem Soundboard hatte weil es entweder vergessen wurde, aus improvisierten Tätigkeiten bestand oder zu nebensächlich war um es live dabei haben zu müssen.. Türen die sich öffnen, der Mop bricht entzwei, die Cheeroxin Happy Pill fällt auf den Boden, etc, pp..

Rest des Materials ist unter einer Stunde.. jetzt bekommt jede Szene noch eine Soundscape, z.B. irgendwelche Loops mit CC0 Material aus Freesound übereinandergelegt. Wichtig an der Stelle – du musst nicht perfekt das erwischen was du haben willst.. es funktioniert anders herum, das was Menschen in der Szene hören WIRD durch den Podcast zum richtigen Sound.. Leute lernen „Ah, so klingt das da!“.

Schnitt ist fertig!

Merken dass man kein Intro hat.. Fuck..

Wir haben keine Intromusik Inhouse, die passen würde, man möchte die Bearbeitung aber gerne heute noch abschließen.. der Weg führt zum Free Music Archive, wo man den Filter setzt „Public Domain“ und „Electronic“ oder „Experimental“.. nach einer Weile findet man etwas schönes von Monplaisir – Level 2 Es ist CC0 lizensiert und das ist für uns wichtig, denn wir wollen nur eine kurze Passage aus dem Material nehmen, und mittlerweile müsste man bei Attribution andernfalls schon so 40 andere Quellen nennen.

Weil man die Idee gerade witzig findet, und auch zeigen will dass es geht, lässt man ein Open Source „Text2Speech“ Programm – in unserem Fall das uralte MaryTTS – noch ins Intro sprechen.

So.. fertig!

Merken dass man kein Logo hat.. Fuck..

Kurzerhand wird das Standardlogo genommen, weisses Kästchen reingeschnitten, eins der Augen vergrößert und die Fransen an der Seite nach unten gekippt wie ein Monitorkabel..

FERTIG!

Datei hochladen, ein paar Texte zur Episode schreiben. Den Admin der Seite bitten eine neue Rubrik für den neuen Feed einzurichten und… eine Stunde darüber brüten wie man die Episode nennt.

Um die 30 Vorschläge bekommen, mit keinem davon absolut glücklich sein.

Es sind am Ende immer die kleinen Dinge.. 😉

Zwei Tage später geht die Episode online.. Twitter.. Mastodon.. ein paar Forenbeiträge.. in ein paar Discord Servern bewerben. Den neuen Feed auf Fyyd eintragen.

Völlig erledigt zusammenbrechen und sich fragen warum man sich den Stress eigentlich macht.

Tags darauf die ersten Rückmeldungen bekommen wie cool das Ergebnis geworden ist!

Sich total freuen und den nächsten Termin planen 😉

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